Samstag, 9. November 2013

Erdrutsch vor 355 Jahren





Der Erdrutsch im Jahre 1758

Das Bild der sich in Frankreich zusammenballenden Wolken der Unzufriedenheit, die dann das fürchterliche Gewitter und den Erdrutsch der Revolution 1789 auslöste, fand in Unterhausen schon 30 Jahre früher, am 29.Juli 1758, eine reale Entsprechung in der Natur, die den Menschen nicht weniger verängstigte.

Als die Unterhausener Einwohner morgens auf den >Haldenäckern< arbeiteten, hörten sie plötzlich Gerassel im Boden, >gleich ob man Ketten schleifte<. Voller Unruhe über das unerklärliche Geräusch verließen sie ihre Arbeit, zu ihrem Heil, wie sich gegen Mittag zeigte: Vom Berg her, (dem Lippentaler Hochberg) erscholl ein fürchterliche Getöse. Beim genauen Hinsehen hatten sie buchstäblich das Gefühl, als verlören sie den Boden unter ihren Füßen, denn von der Mitte des Berges hatte sich ein Stück Land losgerissen, etliche hundert Fuß lang und dreißig Fuß breit…, (Fuß = ca. 30 cm) und rutschte nun auf das Tal zu, als etwa zehn auf hundert Meter großes, zusammenhängendes Stück, mit Bäumen, Büschen und einem Dinkelacker bestanden. Wie gebannt schauten die Menschen diesem unheimlichen Schauspiel zu. Auf seiner Talfahrt nahm der Erdrutsch dann Obstbäume und Kornfelder mit, verschüttete alles und drang über die Straße bis zur Echaz vor. Dort wurde er aber glücklicherweiße von der hohen Uferböschung aufgehalten, so dass weiteres Unheil, wie es ein Wasserstau bedeutet hätte, nicht entstand.- Die Straße war nicht mehr befahrbar, Menschen waren aber nicht zu Schaden gekommen. Sie Stelle des Erdrutsches befand sich an der westlichen Hangseite im Tal, von Süden her kurz vor dem Platz, auf dem heute die Wohnhäuser des >Schotterwerks< stehen.

Seine Ursache waren die außerordenlichen Regenmengen, die im kühlen und feuchten Jahr 1758 gefallen waren. Das überschüssige Wasser hatte sich zuvor, wie in einem >Überreich< in einer neuen Quelle Abfluß verschafft.

(Derartige >Hungerbrunnen<, im Karstgebirge der Alb sattsam bekannt, haben ihrem Namen daher, dass sie in der Regel nur in sehr schlechten, weil viel zu nassen Jahren auftreten, und dass als Folgeerscheinung der schlechten Ernte eine nachfolgende Hungersnot befürchten werden musste.)

Die ungewöhnlich hohe Wassermenge, die sich 1758 auf der wasserundurchlässigen Lehm- oder Tonmergelschicht angesammelt hatte, führte zum Abreißen und Wegrutschen der Oberfläche bis in beträchtliche Tiefe. Ähnliche Erscheinungen in nassen Jahren an Hanglagen führten seither in Baugebieten unserer Gemeinde immer wieder zu Schwierigkeiten, wie zum Beispiel beim Bau der neuen Uhlandschule oder bei Privathäusern in der Nähe der >Staufenburg<.

Die wassergefüllten Hohlräume mussten auch schon in ebenen Lagen unschädlich gemacht werde, indem ganze Häuser, zum Beispiel in den >Doktorwiesen<, nicht auf einem festen Fundament gründen, sondern auf eine >schwimmende< Platte aufgesetzt wurden. Auch der alte Uhlandschulenbau soll, nach mündlicher Überlieferung alter Einwohner, mit Hilfe einer Ulmer Pionierabteilung zu Anfang unseres Jahrhunderts (1902) nur durch Einrammen sehr vieler Pfähle unter dem Fundament die nötige Stabilität gewonnen haben.

Quelle. Aus 900 Jahre Lichtenstein – Elfriede Vöhringer

Das war vor 255 Jahren; dieses Jahr ist das Gleiche nur an anderen Stellen passiert.

Man möge bedenken, welche Bodenbeschaffenheit wir hier im Tal haben.
 
Deckeltrasse: NEIN!

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