Montag, 26. September 2011

Etwas Geschichte zum Vorläufer der Stadtbahn Teil 5

LÄNDERBAHNZEIT Reutlingen - Honau


Mit dem in Honau um 6.30 Uhr abgehenden Frühzug Nr.588 begann am 3.Juni 1892 der öffentliche Verkehr auf der Echazbahn. Die Stationen Eningen, Pfullingen und Unterhausen waren für den gesamten Verkehr eingerichtet, Pfullingen-Papierfabriken, Unterhausen –Spinnerei und Honau dagegen nur für den Personenverkehr. Die Bahnlinie unterstand dem Betriebsinspektionsbezirk Tübingen und dem Betriebsbauamt Reutlingen.

Die Züge bespannten anfangs höchstwahrscheinlich die Schlepptender - Lokomotiven „Fc“ oder „F2“ (Umbau aus F). Nach Ankunft in Honau mußten die Maschinen jeweils gedreht werden, wofür hier eine Drehscheibe vorhanden war.

Nach Inbetriebnahme der neuen Bahnlinie wurden neuerdings Tageskarten zur Besichtigung vom Schloß Lichtenstein eingeführt, um den Besucherstrom zu verteilen. Der Verkehr im Echaztal entwickelte sich recht gut. Vor allem nutzten Touristen die Bahnverbindung zu einem Ausflug des Lichtensteins. Als prominentester Gast während der ersten Betriebstage reiste Prinz Wilhelm vom Herzogtum Sachsen - Weimar mit einer größeren Gesellschaft hierher. Am Sonntag, den 13. Juni, herrschte ein derart großer Andrang, daß in beiden Richtungen mehrere Sonderzüge fahren mußten. Alleine an Pfingsten wurden von Reutlingen nach Honau 8.000 Fahrkarten ausgegeben!

Ab dem 1. Juli 1892 bestanden in den Stationen Eningen, Pfullingen und Unterhausen neu eingerichtete Grenzsteuerämter. Damit konnten hier auch Waren, sofern diese der Steuerpflicht unterlagen, in andere Länder versand werden.

Schon nach drei Betriebsmonaten entsprachen wegen des hohen Frachtaufkommens die Zufahrtsgleise und Güterschuppen in Eningen und Pfullingen nicht mehr den Anforderungen. Es tauchte die Frage auf, wie wohl der Güterverkehr erst im Herbst bewältigt werden könnte, wenn Obst, Wein und Hopfen hinzu kämen?

Ende 1892 wurden die Anschlußgleise zu den verschiedenen Unternehmen in Betrieb genommen. Nach Eröffnung des Güterverkehrs von der Station Honau wurde hier zum 1. Februar 1893 ebenfalls ein Grenzsteueramt eingerichtet.

Ab dem 15. Mai 1893 galten auf allen vier Stationen auch die Tarife für den Güterverkehr mit Berlin, Schlesien, Westfalen und Südwestdeutschland.

Am Nachmittag des 5. August 1893 gegen 2.30 Uhr kündigten Böllerschüsse die Ankunft des Herzogs Wilhelm von Urach mit seiner Familie und Gefolge auf dem Honauer Bahnhof an. Die Herrschaften wurden im Auftrag des Honauer Kriegervereins, der den Namen des Herzogs führte, durch Vorstand Karl Seitz begrüßt. Er überreichte der Herzogin einen Blumenstrauß, ehe sie zur Weiterfahrt nach Schloß Lichtenstein aufbrachen.

Nach kurzer Zeit gab es zur Echazbahn auch kritische Stimmen, die ein namentlich unbekannter Techniker 1894 veröffentlichte:

- Durch den Wechsel der Talseite oberhalb Pfullingens waren 4 Brücken notwendig, wäre man auf der rechten Seite geblieben hätte es nur eines Brückenbauwerkes bedurft.

- Mehrkosten von 200.000,00 Mark verursacht durch Sicherung zweier natürlichen Berghänge hätte man durch eine andere Trassenführung vermeiden können.

- Zahlreiche schienengleiche Weg- und Straßenübergänge beeinträchtigen den Verkehr auf den Straßen erheblich, der gerade wegen der Echazbahn angestiegen sei.

- Der Techniker verwies weiter auf Geröllhalden oberhalb von Honau. Hier hätte der Berg nicht einseitig angeschnitten werden dürfen. Es wären vielmehr höhere Ausgaben für Stützmauern in Kauf zu nehmen gewesen. Er begründete die mit dem ständig nachrutschenden Geröll aus den stark verwitterungsanfälligen Felswänden.

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