Mittwoch, 28. September 2011

Etwas Geschichte zum Vorläufer der Stadtbahn Teil 6

WÜRTTEMBERGISCHE BAHNHÖFE


Die Württembergischen Staatseisenbahnen kategorisierten Ihre Bahnstationen in „Classen“. Dies war eine Einteilung der „Bahnhöfe“ nach der Bedeutung des Fahrgast- und Frachtaufkommens, die sich in aller Regel nach ursprünglichen, in den Anfangsjahren entwickelten Verkehrsaufkommen richtete.

Generell sind drei Grundbautypen zu unterscheiden:

TYP I
Bei dieser kleinsten Ausführung besaß das 7 Meter breite und 8 Meter lange Dienstgebäude keine Wohnung. Der Mitteltrakt wurde nur einstöckig ausgeführt (z.B. Kleinbottwar an der Strecke Marbach – Heilbronn.

TYP II
war weit verbreitet und enthielt außer den Diensträumen im Obergeschoß eine Dienstwohnung für den Haltestellen-Vorstand. Ferner befanden sich zusätzliche Räume auf dem Dachboden.
Die Hauptgebäudeabmessungen betragen hier 7 m Breite und 8,50 m Länge. In einer ebenfalls anzutreffenden verlängerten Form mit vier Längsseiten-Fenster (z.B. Bad Überkingen und Rudersberg) erreicht der Bahngebäudemittelteil 10 Meter. In verschiedenen Fällen erhielten die Bahnhofsgebäude auch erst nachträglich einen Dachausbau entweder in kleiner Form als Gaube oder als eine geräumigere Quergiebelerweiterung, durch die das Dienstgebäude schon fast zum dritten Bautyp tendiert.

TYP III
stellt die größte Variante unseres Einheitsbahnhofes dar. Grundsätzlich gleicht die Gliederung dem Bautyp 2; indes ist das Hauptgebäude breiter ausgeführt. Neben den Diensträumen und der Vorstands-Wohnung wurde meist noch eine (winzige) Wohnung für einen Wärter eingerichtet. In der Mitte des höher ausgeführten Daches liegt in der Regel ein Quergiebel. Auffallend sind auch doppelt breite Fenster in der Mitte der Längsseiten. Ein weiteres markantes Merkmal des Ursprungszustandes sind meist runde Fenster links und rechts des dreigliedrigen Fensters im Hauptgiebel. Zu dieser größeren Ausführung gehören Güglingen an der Strecke Lauffen – Heilbronn; Marbach an der Strecke Kleinengstingen – Schelklingen; Ochsenhausen an der Strecke Warthausen – Ochsenhausen; Owen an der Strecke Kirchheim – Oberlenningen; Ilsfeld an der Strecke Beilstein – Heilbronn (Süd) und eben unser Bahnhof HONAU.
Im sogenannten „Chaletstil“ wurden nur die vier Bahnhöfen im Echaztal gebaut. Diese Bauform deutet auf schweizer Einflüsse hin. Weit überstehendes Krüppelwalmdach, Holz- bzw. Schindelverkleidung, Verzierungen usw. Dies sollte der gebirgigen Landschaft entsprechen.

Die württembergischen Einheitsbahnhöfe (siehe oben) wurden aus dieser Form abgeleitet. Der Bahnhof Honau war somit Begründer einer ganzen Bauserie (TYP III), die sich in Ihrem Bauaufwand jedoch stark vom Ursprung unterscheiden. Die Nachfolgebahnhöfe wurden einfacher gestaltet.

Holzkonstruktion mit Zapfen, bei den anderen Bahnhöfen wurde schon vereinfacht gezimmert, Metallklammern hielten die Holzkonstruktion zusammen.

Originale Holzornamentik: alle Holzteile wie Balken, Streben, Latten, konstruktive Teile und Fensterlaibungen sind verziert. Sichtseite der Balken angeschnitzt. Dieser Baustil ist eine Besonder-heit für das späte 19.Jahrhundert. Bei diesem Honauer Stationsgebäude handelt es sich nach Auffassung des Landesdenkmalamtes um ein Kulturdenkmal.

Als bezeichnendes Beispiel für ein Stationsgebäude der württembergischen Eisenbahn am Ende des 19.Jahrhunderts und wegen seiner historischen Bedeutung für den Ortsteil Honau ist der Bau ein Kulturdenkmal aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen; an seiner Erhaltung sollte wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Wertes ein öffentliches Interesse bestehen.

Leider fielen schon viele der württembergischen Einheitsbahnhöfe der Spitzhacke zum Opfer, so z.B. der Bahnhof Epphausen, Hausen an der Fils, Beilstein und Talheim, Zaberfeld und Leonbronn.

Alle 6 Beiträge aus Märklin Magazin 6/95: “.

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